Teamentwicklung: Ein Begriff, den ich eigentlich gar nicht mag. Dennoch ist er für mich essenziell.
Warum mag ich den Begriff im Grunde nicht? Weil er häufig genau wie folgt verstanden wird: „Da kommt jemand (Trainer), entwickelt unser Team an ein bis zwei Tagen. Und dann ist alles gut.“
Diese Vorstellung wirkt vielleicht charmant und ist durchaus in speziellen Situationen ggf. auch gerechtfertigt. Aus meiner Sicht ist sie jedoch in zwei Punkten etwas kurz gedacht:
- Sie unterschätzt, was Entwicklung tatsächlich ist.
- Sie nimmt dem Team etwas, das ihm (dem Team) nicht vorenthalten werden sollte: Die Verantwortung für sich selbst.
Wenn man mich nach meiner Tätigkeit und nach Teamentwicklung fragt, dann sage ich fast immer: „Ich entwickle Teams nicht. Ich helfe ihnen und ihrer Führungskraft, sich eigenständig zu entwickeln.“ Auf den ersten Blick klingt das nach Worten auf die Goldwage legen. Aus meiner Erfahrung handelt es sich jedoch um einen essenziellsten Unterschied in der Herangehensweise.
Denken Sie an eine Situation, in der jemandem gesagt wurde: „Mach es so, dann wird es besser.“ In einer Vielzahl von Fällen funktioniert dies auch; zumindest im ersten Anlauf und kurzfristig.
Aber was passiert, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern? Wenn der äußere Impuls (durch den Trainer) nicht mehr verstärkend einwirkt? Wenn kein Sparringspartner mehr zur Stelle ist? Genau: Alte Muster kehren zurück. Denn das veränderte Verhalten beruhte nicht auf eigener Erfahrung und Erkenntnis sondern auf einem fremden Impuls.
Nachhaltig ist das anders: Eine Person oder ein Team entscheidet sich im Idealfall auf Basis eigener Erfahrungen, der abgeleiteten Einsicht und der „Kosten-Nutzen-Abwägung“. Künftig wird anders agieren, wenn die bisherigen Muster selber als nicht mehr hilfreich erkannt werden. Weil man selber Verantwortung für sein Handeln und die Zielerreichung übernehmen kann und will.
Deshalb verstehe ich Teamentwicklung als Hilfe zur Selbsthilfe. Eine Workshop-Reihe (1-3 Tage) legt das Fundament. Das Team entscheidet sich für (Ziel-)Richtungen, Methoden und eigene Spielregeln. Die eigentliche Entwicklung findet dann im Alltag statt. Und dies geschieht nicht von heute auf morgen. Neue Muster wollen geübt sein. Daher sind regelmäßige Reflexionen, ob man noch auf dem eingeschlagenen Weg ist, wichtig.
Ein kurzer Selbst-Check für Teams und ihre Führungskräfte, wenn sie ihre Entwicklung konkret machen wollen:
- Können alle das Teamziel und die erfolgskritischen Maßnahmen auf dem Weg dorthin klar benennen?
Kennen alle Teammitglieder ihre Rollen und die Erwartungen, die sie untereinander haben?
Gibt es vereinbarte Methoden für den Fall beginnender Konflikte?
Sind Prozesse, Arbeitsmethoden und Schnittstellen bekannt und werden diese auch gelebt?
Verfügt das Team über ein klares „Profil“, mit dem es wahrgenommen wird?
Mehr zum Thema finden Sie hier auf meiner Themenseite.
Weitere Beiträge
Neuster Blogbeitrag
Neuster Blogbeitrag
Neuster Blogbeitrag